Whisky Ambassador Kassel

Rauchig und Wild

Am 8. November 2025 fand in der Christuskirche Kassel ein besonderes Ereignis statt: das erste rauchige Whisky-Tasting unter der Leitung von Rudi Schuler. Nach über zehn Jahren voller Verkostungen stand zum ersten Mal das Thema „Rauchig & Wild“ im Mittelpunkt – und es sollte ein unvergesslicher Abend werden.


1. Glen Moray Peated – Rauch trifft Speyside-Sanftheit

Der Glen Moray Peated überraschte gleich zu Beginn mit einer harmonischen Kombination aus sanfter Speyside-Süße und feinem Torfrauch. Im Nosing zeigte sich weicher Rauch, Vanille, Honig und etwas Apfel. Im Geschmack überzeugte er cremig und ausgewogen mit Toffee, Zitrus und einem Hauch Eiche. Der Abgang war trocken, leicht aschig und angenehm süß.

2. Islay Gold Rum Cask – Torf trifft Tropen

Hier verbanden sich maritimer Islay-Rauch und exotische Süße. Das Nosing bot dunklen Rauch, braunen Zucker, Banane und Ananas. Am Gaumen mischten sich Torf, Melasse und kandierte Orange, getragen von feiner Würze. Der Abgang war lang und trocken, mit Anklängen von Kakao und karamellisierter Frucht.

3. Kilchoman Loch Gorm 2022 – Sherry trifft Torf

Ein echter Höhepunkt des Abends. Im Nosing dominierten dunkle Früchte, Schokolade und kräftiger Rauch. Der Geschmack war ölig, tief und komplex – Datteln, Kirschen und Torf in perfekter Balance. Der Abgang blieb lang, warm und elegant.


4. Ardbeg Smoketrails Côte-Rôtie – Rauch mit französischem Akzent

Schon im Nosing traf kräftiger Ardbeg-Rauch auf dunkle Beeren und Rotweinaromen. Im Geschmack folgten Teer, Schokolade und eine samtige Weinnote. Der Abgang war lang, pfeffrig und trocken mit feiner Frucht.


5. Octomore 16.2 – Der kontrollierte Sturm

Das Nosing brachte salzigen Rauch, Zitrus und Honigmelone. Im Geschmack verschmolzen Vanille, Eiche und Torf zu einem strukturierten, öligen Erlebnis. Der Abgang war lang, trocken und von feiner Süße begleitet.


6. The War of Peat V – Caol Ila Edition – Eleganter Rauch im Gleichgewicht

Im Nosing präsentierte sich sauberer Torf, Zitrus und Meerluft. Am Gaumen folgte ein Spiel aus Rauch, Frische und cremigem Malz. Der Abgang war mineralisch und langanhaltend.

Und im Rückblick lässt sich sagen: Alle anfänglichen Bedenken lösten sich in Rauch auf. Die Auswahl war hervorragend ausbalanciert – kräftig, elegant, charaktervoll und mit einer erstaunlichen Bandbreite zwischen Feuer und Feinsinn.

Besonders der Glen Moray Peated überraschte als zugänglicher Publikumsliebling – fast schon ein Mainstream-Star des Abends. Mit hauchdünnem Vorsprung sicherte sich jedoch der Kilchoman Loch Gorm 2022 den Titel des Favoriten. Die übrigen Abfüllungen lagen dicht dahinter, was Rudis feines Gespür bei der Zusammenstellung eindrucksvoll bestätigte.

Begleitet wurde der Abend von einer köstlichen Kartoffel-Möhren-Suppe und frischem Brot – eine perfekte Grundlage für sechs Whiskys dieser Intensität. Und während drinnen genossen und diskutiert wurde, zeigte sich draußen, dass Rauch offenbar nie genug sein kann – einige Gäste nutzten die Pausen, um noch eine zusätzliche Portion Torf in Form einer Zigarette zu genießen.

Auch für die Nichtraucher blieb es ein außergewöhnlich stimmungsvoller Abend – geprägt von Genuss, Geselligkeit und einer guten Portion Humor. Ein Abend, der in Erinnerung bleibt – nicht nur wegen des Rauchs, sondern wegen der warmen Atmosphäre, der spannenden Aromen und der spürbaren Freude an einem gemeinsamen Erlebnis.