EIN ABEND MIT VIEL GENUSS
Sechs Whiskys, sechs Käse, 35 Gäste: Unser Tasting „Käse & Whisky“ am Samstagabend im Gemeindehaus war restlos ausgebucht. Und ich kann ehrlich sagen, selten habe ich so viele zufriedene Gesichter in einem Raum gesehen.
Die Idee dahinter hat mich selbst lange beschäftigt. Bei einem Tasting steht normalerweise der Whisky im Mittelpunkt, der Käse ist Beilage. Aber stimmt das überhaupt? Veredelt der Käse den Whisky, oder hebt ein guter Whisky einen Käse in eine ganz andere Genussklasse? Genau das wollten wir herausfinden, Runde für Runde, Glas für Glas, Stück für Stück.
Für die Käseseite hatten wir einen echten Profi an Bord: Käse-Sommelier Andreas Rohrberg hat uns durch alle sechs Käse geführt, von der Herkunft bis zur Reifung, und dabei so manches Aha-Erlebnis ausgelöst. Whisky und Käse auf Augenhöhe, genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Spanischer Auftakt
Los ging’s mit einem echten Neuling: dem GlenDronach The Sevillian Room. Die Highland-Brennerei feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag und hat dafür eine Abfüllung geschaffen, die in gleich drei verschiedenen Sherryfässern gereift ist. Im Glas: Sevilla-Orangen, Honig, geröstete Nüsse und eine warme Zimtnote. Dazu gab es einen Manchego curado aus La Mancha, fest, nussig, leicht salzig. Spanische Fässer treffen spanischen Schafskäse. Ein Einstieg, der sofort saß, und das Gemurmel im Saal wurde spürbar lauter.
Der Käse übernimmt.
Weiter ging es in den hohen Norden Schottlands. Der Wolfburn 10 kommt aus Thurso, einer der nördlichsten Brennereien des Festlands, und ist komplett im Oloroso-Sherryfass gereift: Feigen, Datteln, Rosinen und Karamell. Sein Partner, ein höhlengereifter Gruyère, brachte kräftige Würze und knackige Salzkristalle mit. Hier hatte für mich eindeutig der Käse das Kommando. Sein Salz holt aus dem Whisky eine Süße heraus, die man allein kaum bemerkt. Wer beides einzeln probiert und dann zusammen, merkt sofort den Unterschied.
Die Überraschung des Abends
Runde drei war mein heimlicher Joker: Bladnoch 8 aus den Lowlands, gereift in Rotweinfässern, mit deutlichen Noten von Erdbeermarmelade und Muskat. Dazu Gudbrandsdalsost, norwegischer Braunkäse aus eingekochter Molke, süß und karamellig. Viele kannten ihn gar nicht, einige hielten ihn zuerst für Fudge. Zusammen ergibt das: Erdbeere mit Karamell. Erst skeptische Blicke, dann ungläubiges Nicken quer durch den Saal. Ein Dessert, das keiner bestellt hatte und das trotzdem alle wollten.
Frühstück am späten Abend
Danach wurde es kurios. Der Bruichladdich 8 kommt zwar von Islay, ist aber ungetorft: hell, floral, mit Honig, Zitrus und einer feinen salzigen Küstennote. Dazu ein BellaVitano Espresso aus Wisconsin, ein Käse irgendwo zwischen Cheddar und Parmesan, dessen Rinde von Hand mit frisch geröstetem Espresso eingerieben wird. Kaffee, Zitrus und Meeresbrise. Klingt nach Frühstück, war es irgendwie auch, nur eben um halb zehn abends. Und es hat funktioniert.
Ein weiterer Höhepunkt
Dann kam der Klassiker: Talisker 10 von der Isle of Skye, rauchig, salzig, mit diesem typischen Pfefferkick im Abgang. Dazu ein Comté Extra, 24 Monate gereift, aus dem französischen Jura. Zwei Jahre Geduld, die man schmeckt: geröstete Haselnüsse, braune Butter, eine feine Süße. Und genau hier passiert etwas Besonderes. Der Talisker wird neben dem Comté plötzlich weich und rund, der Käse dafür süßer und länger. Spätestens da war für mich klar: Hier hebt keiner den anderen. Die beiden machen sich gegenseitig besser.
Rauch trifft Rauch
Zum Finale wurde es rauchig. Der Ledaig 15 stammt von der Isle of Mull und ist die getorfte Seite der Tobermory-Brennerei: Torf, Holzrauch, Meersalz, dahinter Beeren und etwas Geräuchertes. Sein Gegenüber: Snowdonia Beechwood, ein walisischer Cheddar, kalt über Buchenholz geräuchert, cremig und nussig. Torf vom Meer gegen Buchenholz aus den Bergen. Und dann noch die Geschichte, die ich mir für den Schluss aufgehoben hatte: Die Brennerei stand über 40 Jahre still, und in dieser Zeit wurde in ihren Gebäuden tatsächlich Käse gelagert. Einen passenderen Schlusspunkt hätte ich mir nicht ausdenken können.
Die Frage, wer hier wen veredelt, haben wir nicht endgültig beantwortet, und das ist auch gut so. Mal führte der Käse, mal der Whisky, und in den besten Momenten wusste man es einfach nicht mehr. Genau das hat diesen Abend ausgemacht. Ein großes Dankeschön an Andreas Rohrberg für die fachkundige Käsebegleitung und an alle 35 Gäste fürs Mitprobieren, Mitdiskutieren und Mitlachen. Dieser Abend schreit nach einer Wiederholung, und die gibt es: Im nächsten Jahr geht „Käse & Whisky“ in die zweite Runde.
Der Rudi











